KOL014 Bitcoin: Banking ohne Banken

Joerg Platzer
Joerg Platzer

Joerg Platzer beschäftigt sich schon lange mit den finanziellen Zusammenhängen unserer Gesellschaft und Weltgemeinschaft und auch mit der Vision des elektronischen Geldes. So war einer der ersten, der sich des Themas Bitcoin annahm, als es 2008/2009 als Konzept und Software vorgestellt wurde. Für die O'Reilly Serie "Kurz & gut" hat er nun eine Einführung in die Kryptowährung verfasst.

Joerg Platzer schrieb für O'Reilly: "Bitcoin - kurz & gut" - natürlich nur echt mit Alpaka auf dem Cover.

Joerg Platzer schrieb für O’Reilly: “Bitcoin – kurz & gut” – natürlich nur echt mit Alpaka auf dem Cover.

Im Gespräch mit Tim Pritlove liefert Joerg einen Einblick in die Funktionsweise von Bitcoin und das Konzept der Blockchain und kombiniert dies mit einer generellen Kritik des Zentralbanksystems und der Idee des Fiatgeldes. Ein spannender Überblick über eine neue Geldkultur, die umfangreiche Auswirkungen auf die Gesellschaft haben könnte.

11 Gedanken zu “KOL014 Bitcoin: Banking ohne Banken

  1. “Auf Kometen enthalten wahrscheinlich kein Gold, aber bei Asteroiden bin ich mir nicht so sicher.”

    Gold und andere seltene und schwere Elemente (Edelmetalle, “Seltene Erden”) kommen genau von Asteroiden. Als die Erde noch eine flüssige Oberfläche hatte sanken alle schweren Elemente (wie Gold) in den Erdkern. Das Gold das man jetzt in Minen findet kommt wahrscheinlich gänzlich von Ablagerungen durch Asteroiden Einschlägen.

    Der Unterschied zwischen Asteroiden und Kometen ist womöglich auch nicht so genau definierbar. Jedenfalls sind die Übergänge fliesend. Die Oberfläche von 67P/Churyumov–Gerasimenko ist z.B. viel härter als man angenommen hatte und umgekehrt hat man bei gewissen als Asteroiden klassifizierten Objekten “Ausgasen” in Sonnennähe festgestellt (wenn ich mich richtig erinnere).

  2. Bei dieser eingeschränkten Sichtweise auf unser heutiges Geldsystem, angereichert mit Halbwissen, dreht sich mir der Magen um. Schade! Vielleicht hätte man mehr über Bitcoin sprechen sollen. Beispielsweise über deren Nachteile (online only, Blockchain Bloat) und falschen Anreizen beim Mining (Stromverbrauch).

  3. Hallo und @Economist:

    Mit “eingeschränkter Sichtweise auf das Geldsystem und Halbwissen” bin wohl ich gemeint, das lasse ich mal als ziemlich doofen und pauschalen ad-hominem-Vorwurf stehen.

    Auch die Nachteile neuer Technologien zu betrachten ist natürlich eine sinnvolle Forderung, allein: die von Bitcoin kennen wir ja noch gar nicht. Den “online-only”-Aspekt einer digitalen währung allerdings als Nachteil auszulegen, macht für mich so viel Sinn wie es als einen Nachteil eines Flugzeugs anzusehen, dass es nur in der Luft fliegen kann. Der Blockchain-bloat wird wirklich von niemandem als Nachteil, sondern eher als lösbares technisches und nicht wirklich ernsthaftes Problem angesehen. Hier ist eher die Frage, welchen technologischen Weg man gehen wird, wenn tatsächlich ein Problem daraus entsehen würde. Und beim Thema Mining scheint ein Missverständnis vorzuliegen: der Stromverbrauch ist für den Miner kein “Anreiz”, sondern, wie für den Bäcker beim Brot backen ein berechenbarer Kostenaufwand, der in seine Kalkulation mit einfliessen muss. Der Anreiz am Mining sind die dadurch geschürften Bitcoins.

    Vielleicht konnte ich zu Deiner Kritik ja noch ein wenig meines Halbwissens beitragen ;), bedanke mich ansonsten für das Interesse!

  4. Die (meiner Meinung nach im Prinzip sehr berechtigte) Kritik am bestehende Geldsystem enthält leider einige Fehler, wie man sie von Anhängern der Österreichischen Schule immer wieder hört.

    Es ist z.B. nicht so, dass Banken ein staatlich garantiertes Sonderrecht hätten, Giralgeld aus dem Nichts zu schöpfen.
    Der Prozess der Giralgeldschöpfung findet aber natürlicherweise bei jedem Kreditgeschäft mit jeder Währung und jedem Gut statt, z.B. auch bei Gold oder Bitcoin. Daher können auch hier Kreditblasen entstehen.
    Der Prozess der Giralgeldschöpfung funktioniert z.B. so:
    Wer jemandem privat 1000 € leiht, schöpft Giralgeld, weil dann
    a) der Schuldner 1000 € hat, von denen er etwas kaufen kann und
    b) der Gläubiger einen Anspruch auf 1000 €, den er gedanklich wie Geld behandelt. Sein Konsumverhalten wird sein, als hätte er die 1000 € in der Tasche, weil er ja weiß, dass er diese 1000€ bald wiederbekommen wird.
    Giralgeld sind kurzfristige Ansprüche auf Geld, die in der Praxis “wie Geld” behandelt werden, und dieses fließt z.B. in die Geldmenge M3 ein – die Geldmenge M3 ist also in diesem Fall um 1000 € gewachsen.

    Auch können Staaten in der Regel seit langem nicht mehr einfach Geld zu Gunsten der Staatskasse “drucken”, diese profitiert durch andere Wirkmechanismen aber durchaus vom Zentralbankensystem, z.B. durch künstlich niedrigere Zinsen für die Staatsverschuldung und Steuerveranlagung im inflationsbehafteten Euro, allerdings nicht so massiv wie unterstellt.

    Problematisch am Zentralbankensystem ist meines erachten vor allem:
    – Es ist eine Planwirtschaft per Definition – die hat bisher weder beim Geldsystem noch sonst irgendwo gut funktioniert
    – Vor allem wenn Zentralbanken Geldpolitik zur “Belebung der Wirtschaft” einsetzen besteht die Gefahr, dass falsche Investitionsentscheidungen getätigt werden, da dem Markt eine Verfügbarkeit von Ressourcen suggeriert wird, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Die Folge sind Kredit- und Investitionsblasen, wie sie mindestens zu einem guten Teil zur aktuellen Finanzkrise beigetragen haben.
    – Es werden versteckte, intransparente Steuern erhoben.

    Das Geldsystem ist ein sehr interessantes Thema, über das eigentlich jeder mündige Bürger informiert sein müsste – leider findet es z.B. in der Medienberichterstattung und im politischen Diskurs kaum statt. Dabei sind die Prozesse eigentlich nicht allzu schwer zu erklären.

    Was die zukünftige Entwicklung von Bitcoin angeht bin ich leider nicht so optimistisch. Staaten haben leider durchaus die Mittel, bitcoin sehr effizient zu bekämpfen, sobald es wirklich eine relevante Größe ist. Momentan nimmt man es hin, weil da Gesamtvolumen lächerlich klein ist. Da reicht es schon, Unternehmen die Nutzung von Bitcoin bei hohen Strafen zu verbieten. Als Begründung braucht man in zweifelsfall nur etwas von der “Finanzierung des internationalen Terrorismus”, vom “Handel mit Kinderpornographie” oder “Drogenhandel” zu erzählen, um Bevölkerungsmehrheiten auf seiner Seite zu haben. Trotzdem bin ich von Bitcoin natürlich durchaus begeistert.

  5. @Joerg Platzer:
    Um die Kritik sachlich zu untermauern einige Punkte die meiner Meinung nach fehlerhaft sind:
    – 30:28 Die Regierung leiht sich kein Geld von der Zentralbank (ist auch rechtlich verboten), ausser in Diktaturen; ansonsten müssten ja auch keine Steuern erhoben werden, da die hohe Inflation die Steuer für die Allgemeinheit wäre. Deshalb trägt die Allgemeinheit auch nicht die Kosten dieser Zinsen, wie behauptet. Zentralbanken machen normalerweise Gewinne, die an den Staat zurückfliessen (bspw. Schweiz).
    – 32:20 “Inflationierung der Geldmenge”, diesen Begriff gibts nicht. Inflation und Geldmenge haben alleine betrachtet keinen direkten Zusammenhang. Die Gütermenge entscheidet schlussendlich.
    – 32:30 Den Guthaben können nicht immer mehr Schulden gegenüberstehen. Das Schuldgeldsystem ist auch mit Zins ein ausgeglichenes System. Die Guthaben steigen somit auch.

    Ich möchte mit diesen wenigen Beispielen vom Anfang einfach aufzeigen, dass man sich Minute 30 – 50 kritisch anhören sollte. Mit den Schlussfolgerungen bin ich einverstanden, nur ist die Herleitung oft ungenau. Das Problem von Zinsen hätte meiner Meinung nach breiter diskutiert werden sollen. Wir sind schlussendlich in einer Schuldenkrise, weil wir weltweit zu wenig Wachstum haben und positive Zinsen nur durch Wachstum bezahlt werden können.

    Zu online only: Ich bin ein Fan von Bargeld, und mit dem Trend zur Beschränkung des Internets, sehe ich durchaus Probleme für Crypto-Währungen in Zukunft.

    Zum Anreiz beim Mining: Hier dachte ich an das Problem, dass es einen Anreiz zur Erhöhung der einzelnen “Rechenpower” gibt. Dies ist zum Einen nicht energieeffizient und fördert zum Anderen nicht unbedingt die Dezentralität, da am Schluss nur noch die grossen Mining-Player übrig bleiben.

  6. War eine interessante Folge, auch wenn ich die Distopie des Geldmarktes in der Audprägung nicht teile.

    Mein größtes Problem mit Bitcoin ist zum einen das der Wechselkurs mehr wie ein Glübksspiel scheint und zu großen spekulativen Schwankungen unterworfen ist und zum anderen das zur Nutzung des Bitcoin zu viel vorausgesetzt wird. Um wirkliche Relevanz zu erreichen müsste es für jeden nutzbar sein, das sehe ich aber bereits durch die Voraussetzung eines sicheren Rechners samt gutem Backup und Smartphone eher nicht. Das ist zum einem zu kompliziert und zum anderen für eine nicht zu unterschätzende Gruppe zu teuer. Das Girokonto kostet (auf den ersten Blick) so gut wie nichts, für die Sucherheit sind die Banken zuständig und ein teures Smartphone braucht man auch nicht.

  7. Pingback: ID-Blog | Kontakt über Mittag und die Internetwährung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *